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Das Lernst du in Deutschland NICHT über Finanzen | Bastian Kunkel (Versicherungen mit Kopf)

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Gast
Bastian Kunkel

7 Buchempfehlungen

Jeder vierte Deutsche wird im Laufe seines Berufslebens berufsunfähig. Trotzdem schiebt die Mehrheit das Thema Absicherung auf die lange Bank. Bastian Kunkel kennt dieses Problem besser als kaum jemand sonst. Mit „Versicherung mit Kopf" hat er die größte unabhängige Versicherungscommunity Deutschlands aufgebaut, Millionen Menschen über YouTube, TikTok und Instagram erreicht und mit seinem Buch „Total Verunsichert" Platz zwei der Spiegel-Bestsellerliste erobert. Im Podcast „Unternehmer Macher" spricht er offen über fehlende Finanzbildung, die Vorurteile gegenüber der Versicherungsbranche und darüber, warum emotionaler Selbstschutz bei der Altersvorsorge wichtiger sein kann als die letzte Nachkommastelle bei den Kosten.

Vom Schulversager zum erfolgreichsten Versicherungserklärer Deutschlands

Bastian Kunkel war kein Musterschüler. Zweimal wiederholte er eine Klasse, wurde in der Schule gemobbt und bekam von allen Seiten das Feedback: „Der wird es mal schwer haben im Leben." Fächer wie Deutsch, Sport und Kunst lagen ihm, doch die zählten damals nicht. Mathe hingegen war eine Katastrophe, und sein Lehrer machte auch noch Witze darüber.

Rückblickend erkennt Bastian Kunkel die unternehmerischen Anzeichen, die schon früh da waren. Als Grundschüler spitzte er Stifte gegen ein paar Pfennige, später kaufte er Handys auf eBay, restaurierte sie und verkaufte sie mit Gewinn weiter. Nur: Es gab niemanden, der diese Talente erkannte. In einem Schulsystem, das ausschließlich auf die Angestelltenkarriere vorbereitet, fiel ein Unternehmertyp wie er durchs Raster.

Seine Eltern waren beide Arbeiter. Es gab keinen Blickwinkel auf Alternativen jenseits der klassischen Laufbahn. Alles stand und fiel mit den Zeugnissen. Dass Bastian Kunkel heute fließend Englisch spricht, liegt nicht daran, dass er plötzlich schlauer geworden wäre. Er hat eine Amerikanerin geheiratet und damit einen konkreten Grund, die Sprache zu beherrschen. Genau das fehlte in der Schule: der erkennbare Nutzen.

Warum Finanzbildung in der Schule scheitert

Die Frage, ob Finanzwissen in den Lehrplan gehört, beantwortet Bastian Kunkel mit einer Gegenfrage: Wer soll das denn beibringen? Viele Lehrkräfte kennen selbst nur den Kosmos Schule. Sie kommen aus der Schule, gehen in die Uni und kehren in die Schule zurück. Als Beamte haben sie eine völlig andere Absicherung als die Mehrheit der Bevölkerung: Pension statt gesetzlicher Rente, Dienstunfähigkeitsversicherung statt Berufsunfähigkeitsversicherung.

Ein pragmatischer Ansatz existiert bereits im Kleinen. Bastian Kunkel berichtet, dass ihm Schüler auf Instagram Fotos schicken, auf denen seine Videos im Unterricht laufen. Ein Lehrer, der das eigenständig in seinen Unterricht einbaut, obwohl es nicht im Lehrplan steht. Solche Initiativen freuen ihn mehr als fast alles andere.

Sein konkreter Vorschlag für den Schulunterricht beginnt mit dem Zinseszinseffekt. Einstein soll ihn das achte Weltwunder genannt haben, und tatsächlich verstehen die wenigsten Menschen, welche Kraft dahintersteckt. Rechne einmal durch, was passiert, wenn Eltern das Kindergeld ab der Geburt sinnvoll anlegen und bis zur Rente des Kindes laufen lassen. Das Ergebnis: Altersarmut wäre vom Tisch. Ohne ein einziges weiteres Investment.

Darüber hinaus fordert Bastian Kunkel ein grundlegendes Verständnis für Steuern, Versicherungen, Gesundheit und Ernährung. Weniger fünfte Ableitung, mehr echte Lebenskompetenz. Gleichzeitig ist ihm bewusst, dass genau hier ein Henne-Ei-Problem liegt: Solange junge Menschen den Nutzen nicht spüren, wird auch Finanzunterricht an ihnen abperlen wie Mathe an ihm selbst damals.

Die Versicherungsbranche und ihr Imageproblem

Kaum eine Branche hat einen schlechteren Ruf als die Versicherungsvermittlung. In den Beliebtheitsrankings deutscher Berufe landet sie regelmäßig auf dem letzten Platz, manchmal nur knapp vor dem Politiker. Bastian Kunkel kennt das aus eigener Erfahrung. Auf Geburtstagen reicht die Vorstellung „Ich bin Versicherungsmakler", und die Leute gehen auf Abstand.

Woher kommt dieses Misstrauen? Bastian Kunkel sieht eine giftige Mischung aus drei Faktoren. Erstens haben tatsächlich viele Akteure in der Branche Mist gebaut und tun es noch immer. Solange Menschen mit fünf Riester-Verträgen und drei Haftpflichtversicherungen aus einer Beratung gehen, wird sich das Bild nicht ändern. Zweitens spielen Medien das Thema Versicherung fast ausschließlich negativ. Die „Versicherungssau" lässt sich morgens, mittags und abends durchs Dorf treiben, wie Bastian Kunkel es formuliert. Drittens erzählt niemand die positiven Geschichten. Wenn ein Schaden problemlos reguliert wird, berichtet das keiner auf dem Sommerfest. Aber der eine Fall, wo nicht gezahlt wurde, verbreitet sich wie ein Lauffeuer.

Spannend ist der differenzierte Blick, den Bastian Kunkel einnimmt: Nicht die Versicherung als Produkt ist schlecht, sondern oft der Berater. Oder die Erwartungshaltung des Kunden stimmt nicht, weil er sich nie mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Statistisch gesehen wird die überwältigende Mehrheit aller Schäden bezahlt. Nur weiß das kaum jemand.

Für Unternehmer sieht Bastian Kunkel darin eine riesige Chance. Weniger Konkurrenz, weil niemand in die Branche will. Bessere Bezahlung, weil die Gesellschaften Vermittler brauchen. Und die Möglichkeit, sich extrem leicht abzuheben, weil die Erwartungshaltung der Kunden so niedrig ist.

Diese Versicherungen braucht wirklich jeder

Auf die Frage nach den wichtigsten Versicherungen für einen durchschnittlichen Angestellten hat Bastian Kunkel eine klare Rangfolge.

Ganz oben steht die private Haftpflichtversicherung. Absoluter No-Brainer, keine Diskussion, keine Grauzone. Sie kostet so viel wie ein Starbucks-Kaffee im Monat und schützt vor Schadenersatzansprüchen bis in die Millionen. Direkt danach kommt die Berufsunfähigkeitsversicherung für jeden, der auf sein aktives Arbeitseinkommen angewiesen ist. Was die meisten nicht wissen: Rund 80 Prozent aller Berufsunfähigkeiten entstehen durch Krankheiten wie Krebs, Depression oder Burnout. Unfälle machen weniger als zehn Prozent aus.

Ebenfalls essenziell: die Risiko-Lebensversicherung für alle, von denen jemand finanziell abhängt. Bastian Kunkel hat seine abgeschlossen, als sein Sohn geboren wurde. Dazu gehört eine optimierte gesetzliche Krankenversicherung, die viele seit der Kindheit nicht gewechselt haben, sowie eine Auslandsreise-Krankenversicherung für etwa 15 Euro im Jahr.

Weniger bekannt, aber ebenfalls relevant: die Krankentagegeldversicherung. Sie schließt die Lücke zwischen Lohnfortzahlung und gesetzlichem Krankengeld, die ab der siebten Krankheitswoche entsteht. Gerade wer eine laufende Finanzierung bedient, sollte hier genauer hinschauen.

Auf der anderen Seite gibt es Versicherungen, die Bastian Kunkel für verzichtbar hält. Die Handyversicherung etwa, bei der oft nicht einmal die typischsten Schadensfälle abgedeckt sind. Ebenso Reisegepäckversicherungen oder die Insassenunfallversicherung fürs Auto. Sein Prinzip: Zuerst die existenziellen Risiken absichern. Alles andere ist Kür.

ETF-Sparplan oder private Rentenversicherung: Eine Philosophiefrage

Die Diskussion um die beste Altersvorsorge führt Bastian Kunkel bewusst weg von Renditetabellen und Kostenvergleichen. Für ihn ist es in erster Linie eine Frage der Selbstkenntnis.

Der reine ETF-Sparplan bei einem Neobroker hat einen entscheidenden Nachteil: Du kannst jederzeit verkaufen. In Phasen, in denen das Portfolio 20 Prozent im Minus steht, weil irgendwo Krieg herrscht oder eine Krise tobt, greifen viele Menschen zur App und verkaufen in Panik. Drei Tage später bereuen sie es. Die private Rentenversicherung bietet genau hier einen emotionalen Selbstschutz. Du kommst nicht so leicht ran, und genau das bewahrt dich vor irrationalen Entscheidungen.

Bastian Kunkel vergleicht es mit der Tüte Chips: Jeder kann zehnmal sagen, er will abnehmen. Liegt die Tüte vor der Nase, wird zugegriffen. Genauso ist es mit frei verfügbarem Kapital. Sein Tipp ist radikal ehrlich: Sei brutal ehrlich zu dir selbst, wie du tickst. Die meisten Menschen überschätzen ihre Disziplin.

Bei der Basisrente (Rürup) sieht er sogar einen Vorteil in der Unkündbarkeit. Für 98 Prozent der Menschen sei das Feature statt Bug: Das Geld läuft durch, komme was wolle. Kein impulsiver Zugriff für den nächsten Urlaub möglich.

Bastian Kunkel und sein Team empfehlen ihren Kunden in der Regel eine Kombination: ETF-Sparplan für den mittelfristigen Vermögensaufbau, dazu eine ETF-basierte Rentenversicherung für die planbare, langfristige Altersvorsorge. Beides hat seine Berechtigung. One size fits all gibt es bei der Altersvorsorge schlicht nicht.

KI in der Versicherungsberatung: Revolution oder Hype?

Zur Frage, ob Künstliche Intelligenz Versicherungsvermittler ersetzen wird, nimmt Bastian Kunkel eine pragmatische Haltung ein. Sechs Monate lang hat sein Team einen KI-Chatbot getestet, viel Geld investiert. Das Ergebnis: Die Kunden waren noch nicht bereit. Der Bot war technisch überzeugend, aber die Menschen wollten lieber mit einem echten Menschen sprechen.

Seine Prognose: Vermittler werden durch KI nicht ersetzt, aber sie werden in der Lage sein, deutlich mehr Kunden mit höherer Qualität zu betreuen. Standardisierte Prozesse übernimmt die Technologie, die vertrauensbildende Komponente bleibt beim Menschen. Vielleicht wird eines Tages sogar „100% ohne KI" zum Alleinstellungsmerkmal in der Beratung.

Gleichzeitig beobachtet Bastian Kunkel, dass jüngere Generationen teilweise gar keine klassische Kommunikation mehr wollen. Kein Telefonat, kein Videocall, nur Textnachrichten. Ob sich das auf hochpreisige Finanzentscheidungen übertragen lässt, bezweifelt er. Bei einer Altersvorsorge, in die über Jahrzehnte 80.000 Euro oder mehr fließen, wollen die meisten Menschen einem echten Gegenüber in die Augen schauen.

Bastian Kunkels Erfolgsrezept: Anpacken, statt auf Erlaubnis zu warten

Von Versicherungsvideos auf YouTube über den Aufbau eines Beraterteams bis zum Spiegel-Bestseller: Bei jedem Schritt sagten Außenstehende, das werde nicht funktionieren. Bastian Kunkel hat es trotzdem gemacht. Sein WhatsApp-Status fasst seine Philosophie zusammen: „Alle sagen, das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach gemacht."

Heute betreibt er ein Unternehmen mit elf freien Versicherungsmaklern, mehreren Festangestellten für Content und Presse, dazu Minijobber und Freelancer. Der Umsatz liegt im mittleren einstelligen Millionenbereich. Kein einziger Cent fließt in bezahlte Werbung. Alle Leads kommen organisch über YouTube-Deep-Dive-Videos, Suchmaschinenoptimierung und persönliche Empfehlungen.

Die drittgrößte Kundenquelle sind direkte Weiterempfehlungen, ohne dass es überhaupt ein aktives Empfehlungssystem gibt. Bastian Kunkel sieht darin den besten Beweis, dass kundenorientierte Beratung auf Provisionsbasis funktioniert. Sein Credo: Wenn der Kunde im Fokus steht und die Beratung stimmt, kommen die Einnahmen von allein.

Vater sein: Warum Bastian Kunkel Tabus bricht

Abseits von Finanzen spricht Bastian Kunkel im Podcast ungewöhnlich offen über die harte Realität als frischgebackener Vater. Sein Sohn kam während Corona zur Welt. Keine Familie in der Nähe, ein Kind mit Koliken, das ununterbrochen schrie. Er und seine Frau waren innerhalb einer Woche am absoluten Limit.

Was ihn am meisten störte: Niemand hatte sie darauf vorbereitet. Alle schwärmten nur von den wunderschönen ersten Monaten. Als er irgendwann sagte „Hoffentlich kommen die nie wieder", erntete er zunächst Unverständnis. Doch je offener er darüber sprach, desto mehr Menschen öffneten sich ebenfalls.

Sein Appell: Es muss okay sein, sich als Elternteil schlecht zu fühlen, ohne dafür verurteilt zu werden. Die Liebe zum Kind ist da. Aber das heißt nicht, dass jede Sekunde ein Genuss ist. Allein das Aussprechen hilft schon, weil man merkt, dass man nicht allein damit ist.

 

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