Gast
Nick Klupak
Stell dir vor, du schreibst in der neunten Klasse eine Fünf in Mathe. Nicht nur mal einen Ausrutscher, sondern so richtig. Du verstehst nur Bahnhof, hast Lücken so groß wie Scheunentore und deine Lehrer haben dich eigentlich schon abgeschrieben. Und jetzt spulst du ein paar Jahre vor: Heute bist du einer der bekanntesten Mathe-Influencer Deutschlands, erreichst monatlich neun Millionen Menschen und führst ein Unternehmen mit 80 Mitarbeitern.
Klingt wie ein schlechtes Filmscript? Ist aber genau die Geschichte von Nick Klupak.
In dieser Episode von „Unternehmer Macher“ hatte ich Nick zu Gast. Wir haben nicht nur darüber gesprochen, wie er vom „Mathe-Versager“ zum Diplom-Mathematiker wurde. Wir sind tief eingetaucht in das, was unser Schulsystem falsch macht, wie man Krisen wie Corona als Unternehmer nicht nur überlebt, sondern für massives Wachstum nutzt, und warum eine große Social-Media-Reichweite noch lange keinen Umsatz garantiert.
Diese Geschichte ist brutal ehrlich und zeigt dir, dass der Weg zum Erfolg selten geradlinig verläuft. Egal ob du gerade dein erstes Business startest, schon mitten drin steckst oder dich einfach fragst, warum du in der Schule eigentlich nie gelernt hast, wie man Steuern macht oder Mitarbeiter führt. Hier nimmst du garantiert etwas mit.

Wir müssen über das Fundament sprechen. Nick hat ein Bild verwendet, das mir so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen wird. Er vergleicht Mathematik – und eigentlich Lernen generell – mit einem Kartenhaus.
Stell dir vor, die unterste Reihe Karten ist die fünfte Klasse. Darauf baust du die sechste, die siebte und so weiter. Wenn du jetzt in der fünften Klasse mal krank warst oder ein Thema einfach nicht gecheckt hast, ziehst du unten eine Karte raus. Das Haus steht noch, wackelt vielleicht ein bisschen. Dann kommt die nächste Klasse, wieder fehlt eine Karte. Irgendwann in der achten oder neunten Klasse fehlen unten so viele Karten, dass das ganze Ding zusammenbricht.
Genau das ist Nick passiert.
Es lag nicht daran, dass er dumm war. Er konnte im Kindergarten schon weit zählen. Aber dann kamen zwei Faktoren dazu, die viele von uns kennen: Pubertät und andere Interessen. Wenn du dann den Anschluss verlierst, hilft dir auch Talent nicht mehr weiter. Du hast Lücken, die du nicht einfach durch „schneller lernen“ schließen kannst.
Dieses Kartenhaus-Prinzip gilt nicht nur für Mathe. Es gilt eins zu eins für dein Business. Ich beobachte oft, dass Gründer die Basics überspringen wollen. Das Fundament steht noch gar nicht richtig, aber sie wollen schon den dritten Stock bauen und skalieren.
Wenn du die Grundlagen nicht verstanden hast – sei es im Verkauf, in der Positionierung oder in deinen Finanzen – fängst du an, Dinge auswendig zu lernen oder blind nachzumachen, ohne sie zu verstehen. Du kopierst Marketingstrategien, ohne zu wissen, warum sie funktionieren. Das macht dein ganzes Unternehmens-Konstrukt instabil. Früher oder später stürzt es ein.
Nick hat mal ein Zitat rausgehauen, das Wellen geschlagen hat: „Unser Schulsystem produziert die Verlierer von morgen.“ Das ist hart formuliert, aber wenn wir ehrlich sind, steckt da viel Wahrheit drin.
Wir lernen in der Schule wunderbar, wie man Gedichte analysiert oder wann der Dreißigjährige Krieg war. Das hat alles seine Berechtigung. Aber wo sind die Skills, die wir im echten Leben brauchen?
Hier sind ein paar Dinge, die im Lehrplan fehlen, aber über Erfolg oder Misserfolg entscheiden:
Mitarbeiterführung: Wie gehe ich mit Menschen um? Wie motiviere ich ein Team?
Finanzielle Bildung: Steuern, Investieren, der Unterschied zwischen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten.
Umgang mit Fehlern: In der Schule wird jeder Fehler rot angestrichen und bestraft. Im Unternehmertum sind Fehler aber essenziell, um zu wachsen. Wer keine Fehler macht, probiert nichts Neues.
Verkaufen und Kommunikation: Wie überzeuge ich andere von meiner Idee?
Schule bildet in erster Linie gute Angestellte und Beamte aus. Menschen, die pünktlich sind, Anweisungen befolgen und Aufgaben abarbeiten. Das ist wichtig für eine funktionierende Gesellschaft. Aber es fehlt der zweite Part. Die Seite, die uns beibringt, kreativ zu denken, Risiken einzugehen und eigene Lösungen zu finden.
Ich selbst habe Schule nie gemocht. Ich bin nie hingegangen, weil ich einen Sinn darin gesehen habe. Mir hat immer das „Warum“ gefehlt. Warum muss ich das lernen? Wofür brauche ich das später?
Nick hat mir im Gespräch bestätigt: Wenn das „Warum“ fehlt, ist intrinsische Motivation fast unmöglich. Bei ihm kam der Wandel erst, als er ein Ziel hatte. Er wollte Informatik studieren (was er am Ende gar nicht getan hat, aber das Ziel war da). Dafür brauchte er das Abitur. Und für das Abitur brauchte er bessere Noten.
Plötzlich war da ein Grund. Er hat sich in der zehnten Klasse in die erste Reihe gesetzt, statt in die letzte. Er hat sich vorgenommen, sich zweimal pro Stunde zu melden. Und siehe da: Erfolgserlebnisse sind der größte Motivator. Als die erste gute Note kam, hat es plötzlich Klick gemacht.
Wenn du also geradestrugglest egal ob im Studium, im Job oder beim Aufbau deiner Firma frag dich: Hast du ein klares Warum? Oder arbeitest du nur Aufgaben ab, weil man das halt so macht? Ohne ein starkes Warum wirst du beim ersten großen Widerstand aufgeben.
Wir haben im ersten Teil über das fehlende Fundament gesprochen. Jetzt lass uns konkret werden. Nick Klupak hat jahrelang Schüler begleitet, die scheinbar „hoffnungslose Fälle“ waren, und sie zum Erfolg geführt. Dabei hat er Muster erkannt, die nicht nur für Schüler gelten, sondern auch für dich als Unternehmer oder Führungskraft extrem wertvoll sind.
Es geht um die Frage: Wie lernen und arbeiten wir eigentlich effizient?
Nick erzählt von seinen Anfängen als Nachhilfelehrer, als er noch zu den Schülern nach Hause gefahren ist. Er saß oft vor Schreibtischen, die aussahen wie Müllhalden. Pyramidenförmig aufgetürmte Zettel, Hefte, Spielzeug. Wenn man ein Mathebuch gesucht hat, musste man erst mal eine Ausgrabung starten. Es gab physisch gar keinen Platz, um ein Heft aufzuschlagen.
Du kannst dir vorstellen, wie fokussiert das Lernen an so einem Platz abläuft: Gar nicht.
Hier kommt der Punkt, den wir oft unterschätzen: Dein Arbeitsplatz macht etwas mit deinem Gehirn. Wenn dein Schreibtisch clean ist, wenn nur das da liegt, was du für die aktuelle Aufgabe brauchst, dann bist du fokussiert.
Ich selbst nutze zum Beispiel die Methode der „Stillen Stunde“. Handy aus, Tür zu, Schreibtisch leer bis auf die eine Sache, die ich erledigen will. In dieser einen Stunde schaffe ich oft mehr als an einem normalen halben Arbeitstag, an dem ich mich ständig unterbrechen lasse.
Wir müssen über dein Smartphone reden. Es gibt Studien, die zeigen, dass deine kognitive Leistungsfähigkeit um bis zu 25 Prozent sinkt, wenn dein Smartphone nur in Sichtweite liegt oder in deiner Hosentasche ist.
Der Witz dabei ist: Es muss nicht mal klingeln oder vibrieren. Allein das Wissen, dass es klingeln könnte, oder dass in deiner WhatsApp-Gruppe gerade etwas passiert, bindet Kapazitäten in deinem Gehirn. Du bist im permanenten Standby-Modus.
Für Schüler ist das eine Katastrophe. Sie sitzen über den Hausaufgaben, das Handy liegt daneben. Ping. Kurz gucken. Zurück zur Aufgabe. „Wo war ich noch mal?“ Dieses ständige Rausreißen und Wieder-Eindenken kostet unfassbar viel Zeit und Energie.
Für uns Unternehmer ist es dasselbe. Wir reden uns ein, wir müssten erreichbar sein. Aber sind wir mal ehrlich: Muss man wirklich sofort auf jede E-Mail reagieren? Effizienz entsteht nicht dadurch, dass wir härter arbeiten, sondern dass wir smarter arbeiten. Und das bedeutet: Eliminiere die Ablenkung. Schaff dir Zeitfenster ohne digitale Störungen.
Ich habe im Podcast eine steile These aufgestellt: Ich glaube, man kann auf YouTube heute besser lernen als in jeder Schule.
Warum? Wegen der Selektion.
Wenn du in der Schule sitzt, bist du deinem Lehrer ausgeliefert. Vielleicht ist er motiviert und fachlich top, vielleicht hat er aber auch seit 20 Jahren keinen Bock mehr. Du hast keine Wahl.
Auf YouTube regelt der Algorithmus die Qualität. Ein Video, das schlecht erklärt, wird nicht geklickt und nicht ausgespielt. Wenn ich dort nach „Kurvendiskussion einfach erklärt“ suche, bekomme ich den Content von jemandem angezeigt, der das didaktisch wahrscheinlich besser draufhat als 99 Prozent der Lehrer da draußen. Ich kann mir den besten Erklärer der Welt direkt auf meinen Bildschirm holen. Kostenlos.
Nick sieht das ähnlich, aber mit einer Einschränkung: YouTube kann (noch) nicht individuell auf deine Rückfragen eingehen. Du kannst das Video stoppen, zurückspulen, schneller abspielen – das ist genial. Aber wenn du einen spezifischen Denkfehler hast, korrigiert dich das Video nicht. Zumindest noch nicht. Mit der Entwicklung von KI wird sich auch das bald ändern.
Wir haben auch darüber philosophiert, wie Schule in zehn Jahren aussehen könnte. Ein riesiges Problem aktuell ist der Unterrichtsausfall. Allein in Bayern fallen wohl rund eine Million Unterrichtsstunden pro Jahr aus. Eine Million. Das ist Wahnsinn.
Gleichzeitig haben wir Technologien, die das auffangen könnten. Warum gibt es keine standardisierte Plattform, wo Schüler bei Stundenausfall sofort hochwertigen digitalen Unterricht bekommen?
Nick plädiert für mehr Individualisierung. Weg vom „Einheitsbrei für alle“ hin zu einem System wie an der Uni oder auf einem Kreuzfahrtschiff. Stell dir vor, Schüler könnten aus verschiedenen Modulen wählen. Morgens Mathe-Analyse, dann eine Runde Sport, danach Geschichte. Wenn Schüler mitentscheiden dürfen, wann sie was lernen, steigt die Motivation enorm. In seinen Abiturcamps bei Akademus setzt Nick genau das um: Das Prinzip der offenen Tür. Die Schüler entscheiden selbst, welchen Kurs sie besuchen. Und überraschenderweise wählen sie nicht „nichts“, sondern sie sind motivierter als je zuvor.
Aber um das im großen Stil zu ändern, sind die Mühlen der Bürokratie oft zu langsam. Deshalb hat Nick beschlossen, nicht auf die Politik zu warten, sondern seine eigene Lösung zu bauen.
Viele große Unternehmen starten in einer Garage. Nicks Unternehmen startete quasi am Schreibtisch seines Arbeitgebers – und auf der Toilette.
Nach dem Tod seiner Eltern musste Nick sein Mathematikstudium selbst finanzieren. Er war zu stolz, das Erbe anzurühren, er wollte es aus eigener Kraft schaffen. Also tat er das, was viele Mathestudenten tun: Er gab Nachhilfe. Erst dem Cousin, dann der Nachbarin, dann dem ganzen Dorf.
Irgendwann hatte er 20 Schüler pro Woche. Neben einem Vollzeit-Diplom-Studium. Das waren 30 bis 40 Stunden Arbeit jede Woche. Aber hier kommt der entscheidende Satz, den Nick gesagt hat: „Es hat sich nie wie Arbeit angefühlt.“
Nach dem Studium arbeitete Nick kurzzeitig bei einer Versicherung. Guter Job, sicheres Gehalt, klassische Karriere. Aber er merkte schnell: Das ist es nicht. In Meetings drifteten seine Gedanken ab. Er plante im Kopf keine Versicherungsmathematik, sondern überlegte, wie man Einzelunterricht besser gestalten kann als Gruppenunterricht.
Der Name „Akademus“ entstand tatsächlich während seiner Arbeitszeit bei der Versicherung. Er kritzelte Ideen auf einen Block. Er wollte etwas, das seriös klingt. Siemens, Krones... viele große Firmen enden auf „s“. Also: Akademus. Er googelte den Namen, rechnete fest damit, dass die Domain weg ist. War sie aber nicht.
Das war der Startschuss.
Er kündigte, ging zurück nach Regensburg und machte sich selbstständig. Am Anfang war das Ziel bescheiden: Eine kleine Nachhilfeschule, davon leben können, fertig. Er dachte eher wie ein Selbstständiger, noch nicht wie ein Unternehmer.
Doch Nick wollte mehr als nur 1:1 Nachhilfe. Er hatte die Idee von Abitur-Camps. Eine Woche intensiv lernen in den Osterferien, mit Übernachtung in einem Schullandheim.
Er plante groß. Er mietete ein ganzes Schullandheim für 100 Leute, engagierte sieben Dozenten, ließ Skripte drucken und kümmerte sich um besseres Essen als den Standard-Fraß. Er ging mit rund 40.000 Euro in Vorleistung.
Das Problem? Er hatte noch keine Schüler. Und er hatte keine Ahnung von Marketing.
Das Ergebnis im ersten Jahr: Sieben Teilnehmer. Sieben Zwerge, sieben Dozenten.
Wirtschaftlich war das eine Vollkatastrophe. Er hat massiv draufgezahlt. Aber didaktisch war es ein Erfolg. Die Schüler waren begeistert, ihre Noten wurden besser. Und im zweiten Jahr waren es schon 30 Schüler, weil die ersten sieben es weitererzählt hatten. Das war der Beweis: Das Produkt ist gut, nur niemand kannte es.
Über die Jahre wuchs das Ganze organisch. Aus 30 wurden 60, dann 100, und 2019 waren es 400 Camp-Teilnehmer an verschiedenen Standorten. Es war ein solides Business geworden.
März 2020. Zwei Wochen vor dem Start der großen Abitur-Camps. Alles war gebucht, die Hotels, die Dozenten, die Verpflegung. Das Camp-Geschäft machte zu diesem Zeitpunkt etwa 80 bis 90 Prozent von Nicks Jahresumsatz aus.
Dann der Lockdown. Alles abgesagt.
Nick beschreibt den Moment sehr plastisch: „Ich wollte vom Turm springen.“ Sein Geschäftsmodell wurde von jetzt auf gleich verboten. Ein Jahr Vorbereitung drohte sich in Luft aufzulösen.
Es gibt dieses Bild von ihm, wie er bei seiner Schwiegermutter auf dem Wohnzimmerboden kniet, umgeben von hunderten Zetteln, und versucht, die Situation zu retten. Aufgeben war keine Option.
Die einzige Lösung: Alles muss digital werden. Und das innerhalb von zwei Wochen.
Man muss dazu wissen: Nick war damals alles andere als ein Tech-Nerd. Er wusste nicht mal, was Zoom ist. Er war der Typ, der als Letzter noch SMS verschickt hat, statt WhatsApp zu nutzen. Aber Not macht erfinderisch. Zusammen mit dem Mann seiner Sekretärin, einem Informatiker, stampften sie eine digitale Infrastruktur aus dem Boden.
Sie schafften es. Die Kurse fanden digital statt. Und überraschenderweise funktionierte es nicht nur „irgendwie“, sondern verdammt gut. Die Schüler konnten sich – ähnlich wie beim Prinzip der offenen Tür – in verschiedene virtuelle Räume einwählen.
Als die Lockdowns vorbei waren, wollte Nick erst wieder zum alten Modell zurück: Hybrid. Ein bisschen Präsenz, ein bisschen Online. Aber dann merkte er etwas Erstaunliches: Die Kunden wollten gar nicht zurück. Die Eltern fragten: „Warum soll ich mein Kind durch den Feierabendverkehr quälen, wenn es online genauso gut klappt und die Noten stimmen?“
Das war der Moment, in dem Nick die vielleicht wichtigste unternehmerische Entscheidung traf: Akademus wird komplett digital. Kein Hybrid-Wischiwaschi mehr.
Das ermöglichte plötzlich Skalierung. Früher war er auf den Radius um Regensburg begrenzt. Jetzt konnte er Schüler aus Hamburg, Berlin oder München unterrichten. Und er konnte Dozenten aus ganz Deutschland einstellen.
Corona hat ihn gezwungen, sein Geschäftsmodell komplett neu zu denken. Hätte er an der alten „Das haben wir schon immer so gemacht“-Denkweise festgehalten, wäre er vielleicht pleitegegangen. Stattdessen hat er die Flucht nach vorn angetreten.
Wir Unternehmer hören ständig: „Du brauchst Reichweite! Bau dir eine Personal Brand auf!“ Und das stimmt auch. Aber Reichweite allein bezahlt keine Rechnungen. Das musste Nick auf die harte Tour lernen.
Nick ist heute als „Mathe-Nick“ bekannt. Er hat Videos mit Millionen von Aufrufen. Er ist ein „Edutainer“ – eine Mischung aus Educator und Entertainer. Er verpackt Mathematik in Alltagsgeschichten, die Spaß machen.
Als er auf TikTok und Instagram startete, hatte er schnell Erfolg. 10.000 Follower auf Instagram, 200.000 auf TikTok. Er dachte sich: „Geil, jetzt poste ich einmal meinen Abiturkurs in die Story und der Server bricht zusammen.“
Die Realität? Er hat genau 0 Euro Umsatz gemacht. Null.
Wie kann das sein?
Nick hatte einen Denkfehler. Er hatte zwar viele Follower, aber sein Produkt (der Abiturkurs) war viel zu spezifisch.
Lass uns das mal mathematisch aufdröseln, wie Nick es getan hat:
Er hatte 10.000 Follower auf Insta.
Davon sehen vielleicht 500 seine Story.
Sein Abiturkurs war auf den bayerischen Lehrplan ausgelegt. Also fallen schon mal alle weg, die nicht in Bayern wohnen. Sagen wir, es bleibt ein Siebtel.
Von denen, die in Bayern wohnen, macht nur ein Bruchteil genau in diesem Jahr Abitur.
Am Ende blieb statistisch gesehen fast niemand übrig, für den dieses Angebot relevant war. Er hatte versucht, ein hyper-lokales, hyper-spezifisches Produkt an eine breite, nationale Masse zu verkaufen.
Nick musste umdenken. Er hat analysiert, wer ihm eigentlich folgt. Überraschung: Es waren kaum Schüler. Seine Follower waren zu über 95 Prozent Erwachsene. Eltern.
Gleichzeitig hatte er durch die Digitalisierung von Akademus (siehe Teil 3) nun die Möglichkeit, deutschlandweit Nachhilfe anzubieten.
Das war der Gamechanger. Er hörte auf, den speziellen Abiturkurs zu bewerben, und fing an, die allgemeine Online-Nachhilfe zu pushen.
Standort? Egal, da online.
Schulart? Egal.
Bundesland? Egal.
Klasse? Egal.
Plötzlich passte das Angebot zur Zielgruppe. Die Eltern sahen seine Videos, fanden ihn sympathisch und kompetent und dachten sich: „Der Typ kann Mathe erklären. Vielleicht kann seine Firma meinem Kind helfen.“
Was ich an Nicks Social-Media-Strategie spannend finde: Er ist kein klassischer Influencer. Er filmt nicht sein Essen, er macht keine harten Verkaufs-Pitches. Er bezeichnet sich selbst sogar als „schlechtesten Influencer der Welt“, weil er keine Kooperationen annimmt und selten sein Gesicht in die Kamera hält, um Privates zu erzählen.
Aber genau das funktioniert. Er nutzt einfache Formate, wie den Frage-Sticker in der Instagram-Story.
Jemand fragt: „Mein Sohn in der 6. Klasse hat Probleme in Mathe, was können wir tun?“
Nick antwortet öffentlich: „Schau mal, wir bieten individuelle Online-Nachhilfe an, hier ist der Link.“
Kein Push-Marketing, sondern „Sog-Marketing“. Er agiert wie ein Sammler, nicht wie ein Jäger. Er bietet Mehrwert, unterhält und platziert dann ganz unaufgeregt sein Angebot. Das schafft Vertrauen. Und Vertrauen ist die Währung, mit der du hochpreisige Dienstleistungen verkaufst.
Um seine Expertenschaft zu untermauern, hat Nick auch ein Buch geschrieben: „Was kostet es, ein Handy aufzuladen?“.
Auch hier wieder die strategische Entscheidung: Das Buch richtet sich nicht an Schüler, sondern an Erwachsene. Es sind Kurzgeschichten, die mathematische Phänomene im Alltag erklären.
Das Buch wurde Spiegel-Bestseller. Nick ist da sehr bodenständig und gibt zu: Natürlich hilft es, wenn man eine Social-Media-Reichweite hat, um die Verkäufe in der ersten Woche anzukurbeln. Der Titel „Spiegel-Bestseller“ ist für viele immer noch wie ein Ritterschlag, vergleichbar mit einem Doktortitel in der öffentlichen Wahrnehmung.
Aber auch hier gilt: Das Buch ist ein weiterer Baustein im Marketing-Funnel. Wer das Buch liest und gut findet, hat eine viel höhere Wahrscheinlichkeit, später Kunde bei Akademus zu werden.
Zum Abschluss unseres Deep Dives mit Nick Klupak kommen wir zum vielleicht wichtigsten Punkt für dein persönliches Wachstum: Der Unterschied zwischen „selbstständig“ und „Unternehmer“.
Nick kommt aus einer Familie, in der man entweder Beamter oder Selbstständiger (wie Arzt oder Anwalt) war. Das klassische Bild: Du tauschst Zeit gegen Geld. Wenn du nicht arbeitest, verdienst du nichts.
Heute sieht er das anders.
Ein Selbstständiger arbeitet im Unternehmen. Er ist das Mädchen für alles. Wenn der Computer streikt, repariert er ihn. Wenn geputzt werden muss, putzt er.
Ein Unternehmer hat das Ziel, sich selbst überflüssig zu machen. Er arbeitet am Unternehmen. Er baut Systeme, die auch ohne ihn funktionieren.
Wie schafft man diesen Sprung? Durch Prozesse.
Nick hat einen radikalen Ansatz gewählt, inspiriert durch das Buch „Verkaufen kann von selbst laufen“ von Steffen Ritter. Er sagt: Es muss für alles im Unternehmen einen Prozess geben.
Das klingt erst mal bürokratisch, ist aber die absolute Freiheit. Bei Akademus gibt es Anleitungen für alles – von der komplexen Abwicklung einer Neukundenanmeldung bis hin zum Entkalken der Kaffeemaschine.
Warum ist das so wichtig?
Qualitätssicherung: Jeder Kunde bekommt die gleiche hohe Qualität, egal wer gerade arbeitet.
Unabhängigkeit: Wenn ein Mitarbeiter geht (wie neulich bei Nick eine Mitarbeiterin, die nach Frankreich zog), bricht kein Chaos aus. Man schaut in die Prozesslandkarte und sieht genau, welche Aufgaben neu verteilt werden müssen.
Skalierbarkeit: Du kannst neue Mitarbeiter viel schneller einarbeiten, weil sie klare Handbücher haben.
Nick ist noch nicht ganz am Ziel, sich komplett überflüssig zu machen – er ärgert sich immer noch manchmal mit operativen Dingen herum, wie Kunden, die ihre Rechnungen nicht zahlen. Aber die Richtung ist klar: Weg vom Tagesgeschäft, hin zur strategischen Weiterentwicklung.
Ich frage jeden Gast nach den Büchern, die ihn am meisten geprägt haben. Hier sind Nicks Empfehlungen für dich:
Verkaufen kann von selbst laufen (Steffen Ritter): Wie eben erwähnt. Ein Muss, um Struktur in deinen Laden zu bringen und vom „Selbst-und-Ständig“ wegzukommen.
Die 4-Stunden-Woche (Timothy Ferriss): Ein Klassiker. Nick mag das Buch nicht nur wegen der Idee der Automatisierung, sondern weil Ferriss keinen typischen „Coach-Sprech“ nutzt. Es geht um Effizienz und Lifestyle-Design.
Souverän investieren in Indexfonds & ETFs (Gerd Kommer): Wenn du dann Geld verdienst, musst du wissen, wohin damit. Kommer schreibt nüchtern, wissenschaftlich und ohne Bla-Bla. Genau das Richtige für Nicks Mathematiker-Herz.
Napoleon Hill (Denke nach und werde reich): Nicks Kernbotschaft stammt aus der Analyse von Napoleon Hill über die erfolgreichsten Menschen der Welt.
Wenn du nur eine Sache aus dieser ganzen Artikel-Serie mitnimmst, dann lass es Nicks Antwort auf die Frage nach dem Erfolgsgeheimnis sein.
Napoleon Hill hat hunderte der erfolgreichsten Menschen seiner Zeit analysiert (Henry Ford, Thomas Edison etc.). Er fand heraus, dass sie alle zwei Dinge gemeinsam hatten:
Eine klare Zielsetzung.
Unendliche Ausdauer.
Es gibt keine Abkürzung. Du wirst scheitern. Du wirst Fehler machen (wie Nick mit seinem ersten Camp oder den falschen Marketing-Annahmen). Aber wenn du ein klares Ziel hast und die Ausdauer besitzt, weiterzumachen, wenn es schwierig wird, dann ist Erfolg fast unvermeidbar.
Nick Klupak ist der Beweis, dass man mit einer 5 in Mathe starten und trotzdem ein Millionen-Unternehmen aufbauen kann. Es kommt nicht auf dein Talent an, sondern auf dein „Warum“, deine Lernbereitschaft und deinen Willen, einfach nicht aufzugeben.
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