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Wolfgang Grupp Junior
Seit Anfang 2024 trägt Wolfgang Grupp Junior die Verantwortung als Geschäftsführer von Trigema. Damit startet die vierte Generation eines Familienunternehmens mit über hundert Jahren Geschichte. Ein Unternehmen, das wie kaum ein anderes für Produktion in Deutschland steht.
Besonders ist dabei nicht nur die Position, sondern die Art der Verantwortung. Wolfgang Grupp Junior haftet persönlich mit seinem gesamten Privatvermögen. Unternehmerische Entscheidungen sind damit keine theoretischen Planspiele, sondern haben reale Konsequenzen. Wenn das Unternehmen scheitert, ist auch das Private betroffen.
Parallel zur öffentlichen Präsenz seines Vaters hat er im Hintergrund zentrale Bereiche wie IT Logistik und den B2B Vertrieb modernisiert. Gemeinsam mit seiner Schwester und seiner Mutter trägt er heute Verantwortung für über 1200 Mitarbeiter.
Diese Konstellation macht klar: Langfristiger Unternehmenserfolg über Generationen entsteht nicht durch Glück oder Zufall. Er ist das Ergebnis von Prinzipien, Entscheidungen und einer klaren Haltung.

Trigema gilt für viele als Inbegriff von Tradition. Umso spannender wirkt der Kontrast, als Wolfgang Grupp Junior im Hoodie einer Kooperation mit LFDY sitzt. Eine Streetwear Marke, die im Vergleich zu Trigema noch sehr jung ist.
Die Zusammenarbeit zeigt, dass Tradition und Innovation kein Widerspruch sind. Beide Unternehmen unterscheiden sich stark in Auftreten und Produktwelt. Was sie verbindet, sind gemeinsame Werte in der Unternehmensführung. Genau diese Basis hat die Kooperation erfolgreich gemacht.
Es geht nicht darum, sich selbst neu zu erfinden oder Trends hinterherzulaufen. Entscheidend ist, wie ein Unternehmen geführt wird und wofür es steht.
Die Familie Grupp tritt bewusst öffentlich auf. Für viele Unternehmer ist genau das ein sensibles Thema. Die Angst vor Kritik, Fehlinterpretationen oder öffentlichem Druck hält viele davon ab, sichtbar zu werden.
Für Wolfgang Grupp Junior gehört diese Sichtbarkeit zur Verantwortung. Unternehmertum soll nicht nur funktionieren, sondern auch gezeigt werden. Werte wie Nachhaltigkeit Verantwortung und wirtschaftlicher Erfolg dürfen sichtbar sein.
Natürlich kostet das Mut. Wer öffentlich spricht, kann Fehler machen. Aussagen können missverstanden werden. Trotzdem ist die Motivation klar: Deutschland braucht mehr Menschen, die unternehmerisch denken und handeln.
Nicht weil es an Unternehmern fehlt, sondern weil viele von ihnen zu leise sind.
Der Wunsch Unternehmer zu sein entsteht für Wolfgang Grupp Junior aus zwei Motiven. Freiheit und Verantwortung. Entscheidungen selbst treffen zu können und gleichzeitig für die Konsequenzen einzustehen.
Angestellte tragen Verantwortung innerhalb eines Rahmens. Unternehmer tragen sie vollständig. Dafür erhalten sie Freiheit. Genau dieses Gleichgewicht sieht er zunehmend unter Druck.
Regulatorische Hürden langsame Genehmigungen und rechtliche Unsicherheiten nehmen Geschwindigkeit aus unternehmerischen Entscheidungen. Wer ein Gebäude für Produktion oder Vertrieb errichten möchte, denkt heute oft länger über Risiken und Verzögerungen nach als über Chancen.
Dabei gilt: Wer Freiheit will, muss Verantwortung tragen. Und wer Verantwortung trägt, sollte auch Freiheit haben.
Die persönliche Haftung ist für die Familie Grupp kein Marketingthema, sondern ein Grundprinzip. Wer persönlich haftet, trifft Entscheidungen langfristiger. Nicht aus Angst, sondern aus Verantwortung.
Wolfgang Grupp Senior kämpft seit Jahrzehnten dafür, dass persönlich haftende Unternehmer steuerlich besser gestellt werden. Die Logik dahinter ist klar. Scheitert ein solches Unternehmen, trägt nicht der Steuerzahler die Last, sondern der Unternehmer selbst.
Trotzdem fehlt bis heute der politische Wille zur Umsetzung. Dabei wäre der Anreiz klar. Wer Risiko übernimmt, sollte auch Vorteile erhalten. Andernfalls entscheidet sich jeder rational für die maximale Absicherung.
Vergleiche mit Versicherungen zeigen das Dilemma. Wenn Vollkasko und Teilkasko gleich behandelt werden, entscheidet sich jeder für Vollkasko. Im Unternehmertum ist es nicht anders.
Trotz aller Diskussionen betont Wolfgang Grupp Junior einen Punkt sehr klar. Trigema würde auch ohne persönliche Haftung nicht anders geführt. Verantwortung langfristiges Denken und Investitionen in den Standort Deutschland sind Teil der Unternehmenskultur.
Doch die Frage bleibt, wie lange dieses Modell tragfähig ist, wenn äußere Rahmenbedingungen Produktion in Deutschland erschweren. Haftung ohne Vorteile verliert irgendwann ihre Logik.
Unternehmertum braucht Verlässlichkeit. Freiheit Verantwortung und faire Bedingungen müssen zusammenkommen. Nur dann bleibt langfristige Wertschöpfung im Land möglich.
Bevor es um Zukunft und Strategie geht, lohnt sich der Blick zurück. Nicht in Hochglanzform wie auf einer Website, sondern so, wie die Geschichte innerhalb der Familie weitergegeben wurde.
Wolfgang Grupp Junior beschreibt die Erzählweise seines Vaters als bewusst einfach. Unternehmertum dürfe nicht unnötig verkompliziert werden. Eins plus eins ergibt zwei. Nicht mehr. Nicht weniger.
Der Ursprung von Trigema liegt bei seinem Urgroßvater, der das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder gründete. Eine Textilproduktionsfirma mit klarem Fokus. In der nächsten Generation folgte eine Phase der Diversifikation. Mehrere Firmen, viele Aktivitäten, weniger Konzentration.
Als Wolfgang Grupp Senior 1969 ins Unternehmen kam, war Trigema hoch verschuldet. Die Konsequenz war radikal. Die Firmen wurden aufgeteilt, der Fokus klar gesetzt. Eine Firma. Ein Ziel. Volle Konzentration.
Diese Entscheidung prägt Trigema bis heute.
Ein zentrales Learning aus dieser Geschichte ist der bewusste Verzicht auf Komplexität. Keine langfristigen Masterpläne, keine starren Jahresziele. Stattdessen tägliche Entscheidungen auf Basis dessen, was sinnvoll ist.
Nicht Trends hinterherlaufen, sondern prüfen, was dem Unternehmen wirklich dient. Entscheidungen treffen wie im privaten Leben. Verständlich, klar und nachvollziehbar.
Dieser Ansatz steht im starken Kontrast zu der verbreiteten Idee, möglichst viele Einkommensquellen parallel aufzubauen. Fokus auf eine Sache kann langfristig stärker sein als das Jonglieren mehrerer Projekte.
Beide Wege können funktionieren. Entscheidend ist, ob das Konstrukt zur eigenen Persönlichkeit und zur Struktur des Unternehmens passt.
Für Christoph Lindemann ist die Familie Grupp seit Jahren ein persönlicher Referenzpunkt. Insbesondere eine Weihnachtsrede von Wolfgang Grupp Senior hat ihn tief bewegt.
Es war kein Marketingmoment. Es war der seltene Augenblick, in dem man die emotionale Bindung eines Unternehmers zu seinem Lebenswerk gespürt hat. Für Christoph einer von zwei Momenten in seiner Karriere, die ihn zu Tränen gerührt haben.
Die Frage an Wolfgang Grupp Junior ist deshalb persönlich. Wie fühlt es sich an, nach so einem Moment auf die Bühne zu gehen und offiziell die nächste Generation zu repräsentieren.
Wolfgang Grupp Junior begegnet dieser Frage nüchtern und reflektiert. Der Vergleich mit seinem Vater ist für ihn kein Maßstab. Erfahrung, Krisen und Jahrzehnte lassen sich nicht kopieren.
Der Übergang war kein harter Schnitt. Er war über Jahre vorbereitet. Der Eindruck eines plötzlichen Wechsels entstand vor allem durch die mediale Darstellung.
Im Alltag blieb vieles gleich. Der Vater ist weiterhin präsent, gibt Rat und teilt seine Erfahrung. Der Unterschied liegt in der finalen Verantwortung. Entscheidungen in kritischen Situationen treffen heute Wolfgang Grupp Junior und seine Schwester gemeinsam.
Diese Verantwortung wurde nicht über Nacht übertragen, sondern über viele Jahre aufgebaut.
Ein zentrales Thema bei Trigema ist die besondere Beziehung zu den Mitarbeitern. Viele sind seit Jahrzehnten im Unternehmen. Manche länger, als Wolfgang Grupp Junior alt ist.
Das prägt den Blick auf Führung. Mitarbeiter sind keine Ressource, sondern Teil einer erweiterten Familie. Loyalität, Fairness und gegenseitiger Respekt sind keine Schlagworte, sondern gelebte Realität.
Genau deshalb war der Moment der letzten Weihnachtsrede für den Vater so emotional. Es war nicht nur ein formaler Abschied von einer Rolle, sondern ein symbolischer Schritt innerhalb dieser Betriebsfamilie.
Auf die Frage nach der Bodenständigkeit seines Vaters antwortet Wolfgang Grupp Junior klar. Ja. Sein Vater ist bodenständig.
Nicht im Sinne von Bescheidenheit als Pose, sondern als Wertorientierung. Ordnung, Disziplin, Fairness und Verlässlichkeit. Man weiß immer, woran man ist.
Diese Haltung zeigt sich auch im Umgang mit Mitarbeitern Lieferanten und Kunden. Konflikte werden fair gelöst. Entscheidungen sind klar. Worte haben Gewicht.
Bodenständigkeit bedeutet auch, sich nicht zu schade zu sein. Jeder im Unternehmen hat eine Funktion und jede Funktion ist wichtig.
Auch wenn Wolfgang Grupp Junior selbst keine Maschinen bedient, ist die Bereitschaft da, mitanzupacken, zuzuhören und präsent zu sein. Führung entsteht nicht durch Abgrenzung, sondern durch Teilhabe.
Ohne die Mitarbeiter wäre das Unternehmen handlungsunfähig. Diese Abhängigkeit wird nicht verdrängt, sondern anerkannt.
Eigenschaften, die Wolfgang Grupp Junior bewusst von seinem Vater übernommen hat, sind vor allem Werte. Ordnung als Grundlage für alles. Wer Ordnung hält, ist schon einen Schritt weiter.
Die Erziehung beschreibt er als präsent und klar. Vorteile waren da, aber auch Erwartungen. Keine Sonderrolle. Kein Gefühl von Besonderheit. Jeder Mensch zählt gleich viel.
Die Familie war Rückhalt. Das Unternehmen die erweiterte Familie. Verantwortung war früh spürbar, aber nie als Druck, sondern als Möglichkeit.
Die oft wahrgenommene Strenge des Vaters relativiert Wolfgang Grupp Junior. Er sieht darin vor allem Disziplin. Klare Werte. Klare Linien. Aber auch Gesprächsbereitschaft und Verständnis.
Im Vergleich ist er selbst strenger zu sich als sein Vater es je war. Selbstanspruch statt Fremddruck.
Eine prägende Figur ist auch die Mutter. Fürsorglich empathisch und aufmerksam. Sie erkennt Spannungen früh und stellt das Funktionieren des Gesamtsystems über persönliche Sichtbarkeit.
Sich für andere freuen zu können und nicht im Mittelpunkt stehen zu müssen, beschreibt Wolfgang Grupp Junior als große Stärke.
Diese Haltung trägt wesentlich zur Stabilität von Familie und Unternehmen bei.
Lob ist in der Familie knapp dosiert. Nicht kritisiert zu werden gilt als Anerkennung.
Die formale Übergabe eines Unternehmens ist aus Sicht von Wolfgang Grupp Junior nicht die große Kunst. Juristisch lässt sich vieles regeln. Entscheidend ist, ob man ein Unternehmen auch führen kann.
Die wahre Bewährungsprobe kommt in Krisen. Kurzfristige Erfolge können Marktphasen geschuldet sein. Langfristige Stabilität zeigt sich erst, wenn Gegenwind kommt.
Corona, Energiekrisen und der massive Strukturwandel der Textilbranche haben gezeigt, wie anspruchsvoll dieser Weg ist. In einer Region mit einst 26 Textilbetrieben ist Trigema geblieben.
Langfristiger Erfolg entsteht durch Werte, Konsequenz und den Mut, den eigenen Weg zu gehen. Nicht angepasst, sondern korrekt. Nicht laut, sondern klar.
Christoph bringt einen wichtigen Punkt auf den Tisch. Das Wertvollste am Erbe ist oft nicht das Vermögen, sondern die Denkweisen Muster und Einstellungen, die überhaupt erst zu diesem Vermögen geführt haben.
Erbe kann eine Last sein. Vor allem dann, wenn jemand nur Geld übernimmt, aber nicht gelernt hat, Verantwortung zu tragen, Prozesse zu verstehen und Entscheidungen auszuhalten.
Wolfgang Grupp Junior sieht das anders. Er versucht, sich nicht verrückt zu denken. Statt das Erbe als Bürde zu betrachten, sieht er die Chance. Er hat studiert, viele seiner Kommilitonen wollten Verantwortung und Gestaltung. Er hat diese Möglichkeit jetzt real. Nicht als theoretisches Ziel, sondern als Aufgabe im echten Leben.
Er sagt sinngemäß: Es wäre arrogant, diese Chance nicht anzunehmen. Er will gestalten, lernen, Neues entwickeln und damit einen Beitrag leisten. Die Verantwortung ist da, aber sie darf nicht zum mentalen Käfig werden.
Christoph greift ein Zitat von Wolfgang Grupp Senior auf. Entscheidungen müssen auf einem Rücken getragen werden, egal ob richtig oder falsch. Und Geschwister sollen sich lieben, nicht streiten.
Wolfgang Grupp Junior erklärt, warum das in Familienunternehmen entscheidend ist. Sobald zu viele Gesellschafter mitmischen, wird es komplex. Keine klare Linie, keine klare Vision, Entscheidungen dauern zu lange und familiäre Konflikte werden wahrscheinlicher.
Bei Trigema war es einfacher, weil das Unternehmen allein dem Vater gehörte. Dadurch konnte die Übergabe sauber gestaltet werden. Die Doppelspitze mit Bonita funktioniert heute, weil beide sich verstehen und die gleichen Werte und Ziele teilen.
Langfristig soll es dennoch wieder in eine Hand zurück. Nicht weil es jetzt Probleme gibt, sondern weil die nächste Generation sonst vor einer noch komplizierteren Struktur steht.
Zur persönlichen Haftung sagt er klar: In der KG muss es eine Person geben, die diesen Part übernimmt. Bonita hätte es auch gekonnt, aber es muss nicht jeder jedes Risiko tragen. Er hält den Kopf hin.
Wolfgang Grupp Junior denkt bewusst in langen Zeiträumen. Investitionen werden nicht für zwei Jahre gemacht, sondern für zwanzig.
Als Beispiel nennt er den Bau einer neuen Energiezentrale. Solche Projekte sind automatisch Generationendenken. Sie prägen die Handlungsfähigkeit des Unternehmens über viele Jahre.
Das Ziel ist Flexibilität. Entscheidungen so zu treffen, dass man sich nicht selbst Wege verbaut, sondern auch später noch Optionen hat.
Die neue Energiezentrale hat zwei Hauptgründe.
Erstens: Abhängigkeit reduzieren. In der Energiekrise waren Gaspreise extrem hoch und Trigema ist stark gasabhängig. Das Unternehmen will nicht von nur einer Energiequelle abhängig sein.
Zweitens: Technische Erneuerung. Trigema hat einen hohen Dampfbedarf für Maschinen im Färbe und Ausrüstungsbereich. Das bisherige System basiert auf einer Gasturbine mit Kraft Wärme Kopplung und Eigenstromerzeugung. Diese Turbine ist am Ende ihres Lebenszyklus und muss ersetzt werden.
Deshalb wurde ein neues Energiekonzept analysiert, das erneuerbare Energien und bessere Preisvorteile einbezieht.
Christoph erkennt ein wiederkehrendes Muster. Trigema versucht, so viel wie möglich selbst in der Hand zu haben. Energie, Vertrieb, eigene Läden, schnelle Reaktionsfähigkeit.
Wolfgang Grupp Junior bestätigt diese Strategie. Mehr Eigenleistung bedeutet mehr Kontrolle, weniger Abhängigkeiten und mehr Reaktionsgeschwindigkeit. Er nennt Corona als Beispiel. Durch die hohe eigene Wertschöpfung konnte Trigema schnell auf Maskenproduktion umstellen.
Er sagt aber auch klar: Das ist nicht der einzige richtige Weg. Die Gegenstrategie funktioniert ebenfalls. Wer viel auslagert, kann bei Bedarf schneller reduzieren.
Der Punkt ist: Man muss einen Weg konsequent gehen. Trigema wählt den Weg der hohen Eigenleistung.
Die Doppelspitze funktioniert, weil sich beide ergänzen.
Bonita bringt Stärken in Personal und Marketing ein, hat mehr Geduld und vermutlich einen anderen Zugang zu Menschen.
Wolfgang Grupp Junior ist stärker zahlenorientiert.
Werte Vision und Strategie sind gleich. Skills und Charakter sind unterschiedlich. Genau das macht es stabil.
Auf die Frage, ob Produktion in Deutschland wirtschaftlich Sinn macht, antwortet Wolfgang Grupp Junior direkt. Ja, sonst gäbe es Trigema nicht mehr.
Aber es funktioniert nur mit dem passenden Produkt. Massenware ist wegen der Lohnkosten nicht sinnvoll. Die Nische ist Qualität, Innovation und Langlebigkeit.
Wer 100000 Shirts für ein Event will, ist falsch bei Trigema. Wer seinen Mitarbeitern Wertschätzung zeigen will und ein hochwertiges Produkt sucht, ist richtig. Dann wird der Preis zweitrangig, weil die Leistung stimmt.
Er verweist darauf, dass es im Einzelhandel Preise von über 50 Euro pro Shirt gibt. Wenn der Markt solche Preise akzeptiert, kann Produktion in Deutschland funktionieren, sofern die Qualität wirklich überzeugt.
Der Hauptgrund ist laut Wolfgang Grupp Junior nicht nur der Preis, sondern Effizienz und Geschwindigkeit.
Er nennt mehrere Faktoren: hohe Bürokratie, teure und wenig stabile Energiepreise, hohe rechtliche Hürden beim Bauen, lange Verfahren und das Gefühl, dass Produktionsarbeitsplätze politisch nicht gewollt sind.
Unternehmen verlagern dann nicht zwingend aus Gier, sondern weil sie keine Lust mehr haben, in Deutschland Projekte langsam und kompliziert durchzudrücken.
Er bringt den Vergleich mit den USA, wo versucht wird, Produktion wieder zu fördern. Sein Kernpunkt ist europäische Unabhängigkeit. Europa soll selbst produzieren können, in Industrie und in Technologie.
Was verloren geht, kommt kaum zurück. 26 Betriebe in der Region sind verschwunden. Zurückholen ist fast unmöglich. Deshalb müsse man das Bestehende halten, damit sich später wieder mehr ansiedeln.
Wolfgang Grupp Junior sieht politische Aktivität nicht als Pflicht für Unternehmer. Wichtiger ist, die eigene Meinung zu sagen und klar zu kommunizieren, was ein Unternehmen braucht, um wirtschaften zu können.
Politik braucht Wirtschaft und Wirtschaft braucht Rahmenbedingungen. Gleichzeitig darf ein Unternehmen nicht im Takt von Legislaturperioden seine Strategie neu erfinden müssen. Es muss mit jeder Regierung funktionieren.
Er wünscht sich mehr praktische Wirtschaftserfahrung in der Politik, sagt aber auch: Dafür braucht man Charakter, Lust und die Fähigkeit, das Spiel auszuhalten.
Wenn er eine Sache ändern könnte, wäre es radikale Vereinfachung. Für jedes neue Gesetz oder jede neue Vorschrift sollten viele andere verschwinden.
Er will weniger Bürokratie und ein Steuersystem, das normale Menschen verstehen.
Gleichzeitig deutet er an, dass man unterscheiden sollte zwischen Unternehmen, die Verantwortung übernehmen und wirklich Wertschöpfung betreiben, und solchen, die primär auf Förderlogik oder Regelspielereien setzen. Für die erste Gruppe sollte es einfacher werden.
Auf die Frage, ob Wolfgang Grupp Junior in der IT viel verändert hat, antwortet er differenziert. Er hat Digitalisierungsprojekte begleitet, aber nicht als Solo Aktion. Trigema habe schon immer sinnvolle Digitalisierungsmaßnahmen umgesetzt. Dass heute mehr passiert, liegt auch am Zeitgeist. Sein Vater hätte es genauso getan.
Der entscheidende Punkt ist sein Führungsanspruch: Digitalisierung darf nicht an einer Person hängen. Seine Aufgabe ist es, Strukturen zu schaffen, in denen Digitalisierung und Automatisierung automatisch entstehen und in den Prozessen der Mitarbeiter verankert sind.
Dahinter steckt ein Grundprinzip: keine Abhängigkeiten. Weder von Kunden, noch von Lieferanten, noch von einzelnen Mitarbeitern. Er selbst eingeschlossen.
Automation lohnt sich am Hochlohnstandort besonders schnell. Deshalb ist der Druck zur Effizienz bei Trigema nicht modisch, sondern wirtschaftlich.
Christoph bringt das Leadership Prinzip auf den Punkt. Eine starke Führung schafft Strukturen, die funktionieren, auch wenn der Chef nicht im Raum ist.
Wolfgang Grupp Junior nennt dafür drei zentrale Prinzipien:
Vorleben
Man muss mit gutem Beispiel vorangehen. Werte und Verhalten dürfen nicht gepredigt werden, sie müssen sichtbar sein.
Vertrauen
Mitarbeitern muss man zutrauen, Entscheidungen zu treffen und Dinge auszuprobieren. Vertrauen ist nicht weich, sondern ein Produktivitätshebel.
Handeln ermöglichen
Er findet es besser, wenn jemand etwas versucht und es klappt nicht, als wenn niemand etwas versucht. Entscheidend sind klare Leitplanken, aber innerhalb dieser Leitplanken soll gehandelt werden.
Beide sind sich einig: Angst vor Fehlern ist Gift für ein Unternehmen.
Wolfgang Grupp Junior geht noch weiter. Er mag das Wort Fehler nicht. Für ihn sind es Versuche, die nicht funktioniert haben. Das sei normal. Perfektion gibt es nicht.
Das eigentliche Problem ist nicht der Fehltritt, sondern das Nicht Lernen daraus.
Christoph ergänzt den unternehmerischen Kern: Wenn Menschen Angst haben, trauen sie sich nicht, Probleme offen anzusprechen. Dann wird vertuscht. Und dann wird es gefährlich.
Wolfgang Grupp Junior nennt mehrere persönliche Eigenschaften, die für ihn zentral sind:
Ehrlichkeit
Man muss klar sein. Auch wenn es unangenehm ist.
Verlässlichkeit
Worte müssen gelten. Sonst gibt es keine stabile Kultur.
Verständnis für Menschen
Je nach Branche ist Menschenführung ein Kernjob.
Vertrauen geben und Vertrauen verdienen
Vertrauen ist für ihn ein Leitmotiv. Es ersetzt nicht Regeln, aber es macht Organisationen schneller und gesünder.
Authentisch bleiben
Auch Unternehmer dürfen offen sagen, dass sie etwas anders eingeschätzt haben. Makellosigkeit ist nicht das Ziel. Glaubwürdigkeit schon.
Als Christoph nach häufigen Fehlern anderer Unternehmer fragt, blockt Wolfgang Grupp Junior ab. Er will nicht über andere urteilen.
Er nennt aber indirekt ein Muster, das er kritisch sieht: Menschen, die sich verstellen, weil sie glauben, so müsse Erfolg aussehen. Gerade im Umfeld von Social Media versuchen viele, Rollen zu spielen, die nicht zu ihnen passen.
Sein Punkt ist simpel: Es gibt viele Wege zu Erfolg. Kopieren führt meist schief. Den eigenen Weg zu finden ist wichtiger als den Trend zu imitieren.
Für Menschen, die sich von großen Zahlen und großen Unternehmen eingeschüchtert fühlen, gibt er einen praktischen Rat: weniger grübeln, mehr gehen.
Nicht Unternehmertum um des Unternehmers willen. Es braucht ein Produkt oder eine Dienstleistung, von der man überzeugt ist. Dann Risiko abwägen, abhängig von Lebenssituation und Verpflichtungen.
Planen sei begrenzt sinnvoll, weil Krisen und Umbrüche ohnehin Pläne zerreißen. Entscheidend ist ins Handeln zu kommen und rechtzeitig die Reißleine zu ziehen, wenn es nicht funktioniert.
Er hält Work Life Balance für wichtig. Langfristige Leistungsfähigkeit entsteht nicht durch Dauerstress.
Phasen mit hoher Belastung kann es geben, aber das System muss am Ende stabil sein. Sonst bricht Produktivität weg.
Er lernt von vielen Quellen: vom Vater, von anderen Unternehmern, von Gesprächen mit Kunden und Lieferanten, von Podcasts und vor allem von Mitarbeitern.
Sein Prinzip: Augen und Ohren offen. Erst anhören, dann entscheiden, ob es Nutzen bringt.
Er beschreibt eine konkrete Situation aus dem Alltag. Ein IT Problem im ERP System führte dazu, dass er in der Logistik mitgearbeitet hat. Dort hat er Prozesse gelernt und direkt erlebt, wie Arbeit wirklich läuft.
Der Kern ist klar: Lernen passiert nicht nur im Konferenzraum. Es passiert im Betrieb.
Bei Buchempfehlungen ist er ehrlich. Er sieht sich nicht als große Leseratte. Trotzdem empfiehlt er Biografien und Unternehmergeschichten, weil sie zeigen, dass Erfolg selten glatt läuft.
Er nennt als Beispiele: die Biografie des Nike Gründers, ein Buch über Elon Musk und Geschichten rund um Red Bull. Für ihn ist der Wert daran nicht Idolbildung, sondern Realismus. Große Marken hatten Krisen, Rückschläge und Umwege. Das entlastet und motiviert gleichzeitig.
Biografien wirken oft stärker als klassische Motivationsbücher. Nicht weil sie motivieren wollen, sondern weil sie ehrlich zeigen, wie der Weg wirklich aussieht. Rückschläge gehören dazu, Zweifel gehören dazu, Krisen gehören dazu. Genau das gibt Mut.
Christoph beschreibt es als Glaubensstärker. Wenn selbst große Namen kämpfen mussten, wirkt das entlastend und gleichzeitig antreibend.
Wolfgang Grupp Junior kann nicht direkt vergleichen, weil er in Deutschland nur die Grundschule erlebt hat. Aber er nennt eine Erfahrung, die ihn klar geprägt hat: der Kontakt mit vielen Kulturen.
In seinem Internat gab es bei 360 Schülern über 50 Nationen. Viele Religionen, verschiedene Kontinente, unterschiedliche Prägungen. Er hat dadurch gelernt, das Positive in Menschen zu sehen, unabhängig davon, woher jemand kommt.
Er sagt auch klar, dass er die deutsche Debatte über Herkunft oft unproduktiv findet. Für ihn zählt zuerst die Person. Kultur ist nicht automatisch besser oder schlechter, sie hat Vor und Nachteile.
Christoph fragt nach Neid und Kritik wegen Reichtum. Wolfgang Grupp Junior erlebt das nach eigenen Aussagen nicht häufig. Und er sagt, es würde ihn stören, wenn es häufiger wäre.
Er ist sich bewusst, dass er Vorteile hatte. Aber sein Fokus ist Verantwortung zu übernehmen, zu arbeiten und das Privileg zu schätzen. Wer sichtbar zeigt, dass er nicht nur konsumiert, sondern trägt, reduziert automatisch viele Neidkommentare.
Sein Ausgleich besteht aus Sport und sozialen Momenten. Tennis, Fitnessstudio, Reisen und Zeit mit Menschen geben ihm Energie.
Außerdem jagt er. Er jagt im Revier seines Vaters im Allgäu. Das ist für ihn Teil der Balance und des Abschaltens.
Nicht als Chef, sondern als Mensch, wünscht er sich ein klares Urteil: Er hat dazu beigetragen, dass Textilproduktion in Deutschland erhalten bleibt.
Er will zeigen, dass eine Übergabe in die nächste Generation funktionieren kann. Kein Heldentum, sondern Konstanz und Beitrag für die Gesellschaft.
Statt jedem Trend hinterherzulaufen, formuliert er ein sehr klares Markenbild. Trigema will das ehrlichste Kleidungsstück der Welt produzieren. Transparent, besuchbar, nachvollziehbar.
Die Idee ist nachhaltige Mode für alle Generationen. Langlebige Basics statt kurzlebige Trendpieces.
Er bringt ein Vergleichsbild: Rimowa Koffer sind über Jahrzehnte ähnlich, aber stehen für Qualität und Langlebigkeit. Genau diese Richtung sieht er auch für Trigema. Kaufen für viele Jahre, nicht für zwei Monate.
Christoph nennt Beispiele wie Porsche 911 oder Rimowa. Produkte, die sich äußerlich wenig verändern, aber starke Marken schaffen.
Wolfgang Grupp Junior sagt: Qualität ist Pflicht, sonst trägt Marketing nicht. Dazu kommt gutes Marketing und Storytelling.
Textil ist austauschbar. Es gibt alles von vielen Marken, günstiger oder teurer. Deshalb muss Trigema begründen, warum jemand genau dieses Produkt kaufen soll.
Social Media hilft, die Geschichte zu erklären. Produktion zeigen, Herkunft zeigen, Haltung zeigen. Am Ende kaufen Menschen über Emotionen, nicht über Stoffdaten.
Seine zentrale Botschaft ist Vertrauen. Mehr Vertrauen in Menschen, weniger Angstdenken.
Er verknüpft das mit Freiheit. Wer mehr vertraut, kann freier handeln. Und er kritisiert indirekt die Haltung, alles zu zerdenken, alles abzusichern und damit Bewegung zu verlieren.
Ehrlich sein, vertrauen, handeln. Das ist sein Dreiklang.
Auf die Frage, welche Frage er sich gewünscht hätte, sagt er: Es wurden schon sehr viele gestellt.
Als mögliche interessante Gäste nennt er keine konkrete Person, aber einen Typ Mensch: jemand, der nicht prominent ist, nicht ständig öffentlich spricht, aber seit Jahren ein Unternehmen erfolgreich weiterführt.
Solche Geschichten sind oft besonders wertvoll, weil sie nicht aus PR bestehen, sondern aus Praxis.
Die Frage vom vorherigen Gast zielt auf den Unterschied zwischen Selbstständigsein und Unternehmertum.
Wolfgang Grupp Junior beschreibt seinen Aha Moment in der Corona Zeit 2020. Unternehmertum bedeutet für ihn: im richtigen Moment die Weichen stellen, damit das Unternehmen weiter funktioniert.
Nicht nur arbeiten, sondern entscheiden. Schnell, klar, verantwortlich. Wenn man nicht entscheidet, geht es schief.
Er fragt nach dem Ursprung der Entscheidung für den eigenen Weg. Bauchgefühl oder Analyse. Schnell oder langwierig. Besonders spannend bei Nachfolge: Wie kam es wirklich dazu, dass jemand diese Rolle übernommen hat.
Sein Tipp ist sehr konkret und simpel: mindestens einmal pro Woche bewusst Zeit in der Produktion oder bei den Mitarbeitern verbringen.
Nicht als Pflichttermin, sondern als echtes Durchlaufen, Zuhören, Fragen, Verständnis gewinnen.
Er nennt auch eine mögliche Frequenz: jeden Tag 15 Minuten oder einmal eine Stunde. Hauptsache regelmäßig und nah dran.
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