Vier Jahre in Folge bester BMW-Verkäufer Deutschlands. Von über 3.400 Verkäufern. 300 Neuwagen im letzten Jahr, 400 sind das Ziel für dieses. Das ist über ein Auto pro Tag. Und das in einer Zeit, in der, wie Tolga Toker selbst sagt, "keiner mehr ins Autohaus kommt, um sich ein Auto zu kaufen." Wie geht das?
Tolga Toker ist Deutschlands erfolgreichster BMW-Neuwagenverkäufer, tätig bei der Bobrink Gruppe im Autohaus BMW Bobrink in Bremen Nord Aumund. Angefangen hat er 2004 als Quereinsteiger und Juniorverkäufer, ursprünglich hatte er IT-Systemkaufmann gelernt. Sein allererster Verkauf, ein Fünfer BMW an die Familie Apfel, kam schon nach drei Tagen im Job. Seitdem sind es 23 Jahre bei einer einzigen Marke, der er trotz vieler Abwerbeversuche immer treu geblieben ist.
Heute ist Toker Filialleiter und verkauft nebenbei die meisten BMW-Neuwagen des Landes. Über 100.000 Follower folgen ihm auf Social Media, wo er unter dem Namen Tolga Toker Official eine eigene Personal Brand unter dem Dach von BMW aufgebaut hat. Kunden reisen aus München, dem Allgäu oder Berlin an, teils über 1.000 Kilometer, um ausgerechnet bei ihm in Bremen zu kaufen.
Tokers erste unbequeme Wahrheit: Bei keiner Marke, egal ob BMW, Mercedes oder Audi, lernst du in der Ausbildung das richtige Verkaufen. "Es gibt keine Ausbildungsreihe, wo du das richtige Verkaufen lernst", sagt er. Man lernt das Produkt, die Modellpalette, die Motoren. Man wird zum Verkaufsberater, nicht zum Verkäufer. Die Folge: viele haben brillante Produktkenntnisse, "aber wenn es dann ums Verkaufen geht, verkaufen sie keine Autos."
Für Toker ist Verkaufen erlernbar, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. "Du kannst ein durchschnittlicher Verkäufer werden durch das Lernen des Verkaufens. Aber du wirst niemals ein Top-Verkäufer", stellt er klar. Dafür brauche es zwei Dinge gleichzeitig: Vertriebstalent, das von innen kommt, und Fleiss. "Verkaufen ist nichts anderes als Rhetorik." Talentierte, aber faule Verkäufer scheitern genauso wie fleissige ohne Talent. Wer tiefer einsteigen will, wie man Verkaufen und Empfehlungsmarketing lernen kann, findet bei Roger Rankel die systematische Seite dieser Frage.
Der Unterschied zwischen einem durchschnittlichen Verkäufer mit 60 Neuwagen im Jahr und einem Rekordverkäufer mit 400 ist für Toker vor allem Fleissarbeit. "Je mehr du oben in den Trichter reinwirfst, desto mehr kommt unten raus." Viele warten den ganzen Tag am Schreibtisch darauf, dass ein Kunde durch die Tür kommt. Nur: der kommt nicht mehr.
Bevor es Instagram und TikTok gab, hat Toker Klinken geputzt: Gebietsarbeit im Industriegebiet, von Firma zu Firma, Mappe unter dem Arm. Und Telefonakquise, den ganzen Tag. "Wenn du 100 Telefonate führst am Tag und 98 Absagen kriegst, wie demotiviert muss der Verkäufer sein?" Genau diese harte Schule ist für ihn die Grundlage seines heutigen Erfolgs. Ohne das Durchhaltevermögen von damals wäre Social Media heute wirkungslos.
Vor drei Jahren entdeckte Toker Social Media für sich, gemeinsam mit seinem Cutter Sebastian, der das hauptberuflich gar nicht macht, sondern als Berufssoldat leidenschaftlich nebenher. Andere BMW-Verkäufer lachten ihn aus. Das Ergebnis spricht für sich: 30 Prozent mehr Autos im ersten Jahr, 80 Prozent mehr im dritten. "Es ist wie eine Bombe eingeschlagen."
Der Kern ist der Beziehungsaufbau, der erste und wichtigste Schritt im Verkauf. Nur muss Toker ihn nicht mehr aktiv leisten. Wer täglich seine Videos schaut, kennt ihn längst, bevor er im Autohaus steht. "Der hat er von alleine gemacht. Das ist ein automatisiertes System." Ein Kunde hatte einen BMW iX per Video gesehen, Bruttolistenpreis 106.000 Euro, mit 45.000 Euro Nachlass auf 61.000 Euro brutto, 99 Euro im Monat. Klar, dass so ein Angebot Aufmerksamkeit weckt und Menschen 800 Kilometer fahren lässt. Wie sich Personal Branding auf TikTok aufbauen lässt, zeigt Charles Bahr aus der Perspektive einer ganzen Generation.
Preis ist wichtig: "Du kannst die schönsten Augen der Welt haben. Wenn der Preis 3.000 Euro höher ist als beim Nachbarhändler, kauft er trotzdem nicht bei dir." Aber innerhalb einer gewissen Spanne entscheidet das Gesamtpaket. "Wenn der Kunde bei dir ein gutes Gefühl hat, dann kauft er trotzdem bei dir, auch wenn er 1.000 Euro mehr bezahlt." Denn: "Autokauf ist eine Vertrauenssache und absolut eine emotionale Angelegenheit." Und ohne gehaltenes Wort, ohne Handschlagqualität, überlebt niemand 23 Jahre in dieser Branche.
Toker beschreibt sich als aggressiven Verkäufer: "Ich war eher der Terrier, der zugebissen hat und nie loslassen wollte." Nach zwei Stunden Beratung stellt er selbstverständlich die Abschlussfrage, weil er dafür bezahlt wird, Autos zu verkaufen, nicht Beratungen zu halten. Wer die Frage nicht stellt, verliert. "Die Kunden, die sagen, ich melde mich, die melden sich nicht. Zu 80 Prozent."
Die Kunst dahinter ist Fingerspitzengefühl: Manchmal braucht ein Kunde wirklich eine Nacht zum Nachdenken, dann darf man ihn nicht unter Druck setzen. Und man muss erkennen, wer im Gespräch tatsächlich entscheidet. "Du denkst, der Mann hat die Hosen an, aber in Wahrheit entscheidet die Frau." Beide einbeziehen, aber auf den echten Entscheider fokussieren. Wer Verkaufsgespräche aus dem Profisport auf den eigenen Vertrieb übertragen will, findet bei Lucas Barth den passenden Blickwinkel.
Toker erklärt, warum spektakuläre Leasingangebote wie 99 Euro für einen iX existieren: Es sind Fokusmodelle, gezielte Werbemassnahmen des Konzerns, um möglichst viele Autos auf die Strasse zu bringen. Verdient wird daran zunächst nichts. Das Geld kommt später, über Gebrauchtwagen mit passenden Restwerten und vor allem über die Werkstatt. Bei ihm finanzieren 96 Prozent, nur 2 Prozent leasen, weil Gewerbekunden bei der Finanzierung die Vorsteuer als Anzahlung nutzen und so die attraktivste Rate bekommen.
Sieben Jahre lang gab Toker Vollgas, oft bis spät. Seit seine Kinder da sind, hat er umgestellt: "Egal was passiert, auch wenn die Bude abbrennt, ich bin um 18 Uhr weg." Jeden Abend Abendessen mit der Familie, danach Sport, dann ein Date mit seiner Frau. Und die grössten Umsätze macht er genau in dieser Phase. Der Beweis, dass Balance und Spitzenleistung sich nicht ausschliessen.
Beim Blick auf den Markt ist er ehrlich: Die chinesischen Hersteller wie BYD und Xpeng sind da und nehmen Kunden weg, weil es dort vollausgestattete Autos für 30.000 Euro gibt. Deutschland habe bei Reichweite und Batterietechnik verschlafen. E-Mobilität hält er trotzdem für gesetzt, auch weil der Staat sie mit Abschreibung und Steuervorteilen massiv fördert.
Verkaufen ist ein Skill, den die wenigsten wirklich lernen. Produktkenntnis allein macht keinen Verkäufer, sie macht einen Berater. Wer verkaufen will, muss die Abschlussfrage stellen und aushalten, dass die Antwort auch Nein sein kann.
Erfolg im Vertrieb ist zu grossen Teilen Fleiss. Der Trichter entscheidet: Wer oben wenig reinwirft, bekommt unten nichts. Talent ohne Fleiss verpufft, Fleiss ohne Talent bleibt Durchschnitt. Beides zusammen ist selten und genau das macht den Unterschied.
Social Media ist der stärkste Vertriebskanal unserer Zeit, weil es Vertrauen aufbaut, bevor der erste Handschlag passiert. Eine Personal Brand bindet Kunden an dich, nicht nur an die Marke oder die Firma.
Und über allem steht Authentizität. Ehrliche Zusagen, gehaltenes Wort und der Mut, man selbst zu bleiben, sind langfristig das beste Verkaufsargument.
Tolga Tokers Geschichte zeigt, dass Spitzenleistung im Verkauf kein Zufall ist und kein Trick. Sie ist die Kombination aus jahrelanger harter Arbeit, echtem Talent, einem modernen Vertriebskanal und dem festen Willen, authentisch zu bleiben. Egal ob du Autos, Immobilien oder Ideen verkaufst: Diese Episode gibt dir Prinzipien an die Hand, die überall funktionieren. Am besten hörst du direkt rein.
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