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Mit 14 gegründet, mit 18 Manager bei TikTok | Charles Bahr

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Gast
Charles Bahr

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Mit 14 hat er seine erste Firma gegründet. Mit 17 ließ er einen Pappaufsteller des Lufthansa-CEOs vor der Konzernzentrale aufstellen, was am Ende rund 25.000 Euro Anwaltskosten und einen Shitstorm sondergleichen verursachte. Heute, mit 24, berät Charles Bahr DAX-Vorstände, deutsche Mittelständler und internationale Investoren in genau den Situationen, in denen er früher selbst mittendrin gesteckt hat: dann, wenn das Internet ausrastet.

Was ihn so spannend macht, ist nicht nur die Story. Es ist die Tatsache, dass Charles auf eine Branche schaut, die fast niemand wirklich versteht: Krisenkommunikation, Issue Management, CEO-Personal-Brand. Und das alles aus einer Perspektive, die du in keinem Lehrbuch findest, nämlich der eines Gründers, der seine Lektionen am eigenen Leib gelernt hat.

Wer ist Charles Bahr?

Charles Bahr ist Gründer und Co-CEO der ZCG, kurz für Z Consulting Group. Die Boutique-Beratung sitzt in Hamburg, ist 2023 gestartet und arbeitet inzwischen mit DAX-Vorständen, Führungskräften aus dem Mittelstand und auch mit Politikern. Vier Bereiche stehen im Zentrum: Threat & Issue Intelligence, Narrative Leadership und Executive Positioning, Transaction Communication sowie Crisis Response. Klingt komplex, lässt sich aber auf einen Satz herunterbrechen: Die ZCG sorgt dafür, dass mächtige Menschen und Unternehmen nicht von der Öffentlichkeit zerrieben werden, wenn es brenzlig wird.

Dass er das macht, ist kein Zufall. Charles ist mit Social Media groß geworden, hat schon mit 14 seine erste Agentur gegründet, später für TikTok in Berlin gearbeitet und dort mit gut 18 Jahren das Marketing-Team für DACH mit aufgebaut. Nach einer Trennung im Streit, an deren Ende eine NDA-vertrauliche Einigung stand, ist er nicht in die nächste Konzernkarriere gegangen, sondern hat das aufgebaut, was er sich von Anfang an gewünscht hätte: ein Beratungsprodukt, das CEOs vor genau den Problemen schützt, die er früher selbst orchestriert hat.

Interview

Mit 14 das erste Unternehmen: Was Junggründung wirklich bedeutet

Wer mit 14 eine GmbH gründet, denkt im ersten Moment nicht über Bilanzen, Steuern oder Haftung nach. Charles erzählt das ganz offen: Es ging nicht ums Gerüst, sondern darum, überhaupt erst einmal die Idee in die Welt zu bringen. Eltern unterschrieben, Anwalt schaute drauf, los ging es. Der Druck kam danach, als klar wurde, dass diese Firma jetzt funktionieren muss, weil das Rückgängigmachen aufwendiger wäre als das Vollgasgeben.

Genau dieses Mindset zieht sich bis heute durch sein Schaffen. Wenn du Charles fragst, woran man als junger Gründer am meisten scheitert, dann nennt er nicht das fehlende Kapital. Er nennt das fehlende Umfeld. Eltern, die nicht aus der Wirtschaft kommen, Lehrer, die mit dem Thema überfordert sind, Mitschüler, die das nicht ernst nehmen. Wer als Teenager gründet, braucht Mentoren, und zwar Menschen, die echte Fehler gesehen haben und nicht nur LinkedIn-Posts darüber lesen.

Schreib die Person an, von der du am meisten lernen kannst

Eine konkrete Lektion aus dem Gespräch: Charles hat sich seine wichtigsten Mentoren in den letzten Jahren selbst zugesucht, indem er sie schlicht angeschrieben hat. Eine davon ist Ulrike Handel, frueher CEO bei Dentsu und Vorständin bei Axel Springer. Wer sich traut, jemanden um Rat zu fragen, dessen Lebenslauf einen einschüchtert, gewinnt deutlich mehr als der, der wartet, bis sich die Beziehung zufällig ergibt. Das ist nicht süß, das ist Strategie.

Der Pappaufsteller, der Lufthansa zum Eingestehen zwang

Die wohl bekannteste Geschichte aus Charles Bahrs Werdegang ist die Sache mit Carsten Spohr. Lufthansa hatte einen Tarifkonflikt mit den Piloten und kommunizierte aus Charles' Sicht, gelinde gesagt, suboptimal. Sein Reflex war typisch für ihn: Statt einen Post abzusetzen, hat er einen Pappaufsteller des damaligen Lufthansa-Chefs vor der Konzernzentrale platzieren lassen, mit einem klaren Statement zum Verhalten gegenüber den eigenen Mitarbeitern. Das Foto ging viral, der Konzern reagierte, am Ende stand eine Entschuldigung im Raum.

Was als jugendlicher Coup wirkt, hat Charles knapp 25.000 Euro Anwaltskosten gekostet. Lufthansa ließ sich das Ganze nicht gefallen, schickte Schreiben über Schreiben, drohte mit Verfahren. Charles musste zur Verteidigung das holen, was er selbst die besten Anwälte Deutschlands nennt. Die Konsequenzen tragen: Genau das ist seither sein Mantra. Mut allein reicht nicht, wenn man die Rechnung am Ende nicht zahlen kann.

Was ein Shitstorm in der Realität kostet

Charles Bahr hat seither Dutzende Shitstorms aus der Beratungsperspektive begleitet. Was die meisten nicht wissen: Der finanzielle Schaden eines schlecht gemanagten Falls ist häufig nicht der Imageschaden, sondern der Personalverlust. Mitarbeiter kündigen, Leistungsträger gehen, Bewerber sagen ab. Wer als Unternehmen erst nach dem Knall an Krisenkommunikation denkt, kommt zu spät. Genau hier setzt die ZCG mit ihrem Bereich Threat & Issue Intelligence an: Risiken identifizieren, bevor sie eskalieren, Narrative testen, bevor sie ungeschuetzt in den Markt gehen.

Was Charles Bahr über den TikTok-Algorithmus verraten kann

Bevor er Krisen-PR für CEOs gemacht hat, hat Charles bei TikTok in Berlin gearbeitet. Was er dort gelernt hat, klingt erstmal banal, ist aber für jeden Creator interessant. Wichtigste Kennzahl ist die Watchtime, also wie lange Menschen ein Video tatsächlich anschauen. Der Sweet Spot lag damals bei rund 12 bis 13 Sekunden, weil der Algorithmus dort die Belohnungsfunktion am stärksten triggert. Wer es schafft, in den ersten zwei Sekunden eine Hook zu setzen und dann bis zur 12.-Sekunden-Marke nicht zu verlieren, hat realistische Chancen, in einen Trend einzutauchen.

Spannend für alle, die mit Live-Formaten arbeiten: Ein Livestream auf TikTok wird laut Charles erst ab rund 35 Minuten Laufzeit ernsthaft im Backend ausgespielt. Wer früher abbricht, verschenkt das eigentliche Werbegeschenk der Plattform.

Wer noch tiefer in die Mechanik von Social-Media-Aufbau einsteigen will, dem sei Yannick Boos' Episode über Influencer-Marketing ans Herz gelegt. Was Charles für CEOs macht, baut Yannick für Marken auf der Creator-Seite.

LinkedIn ist kein Marketing-Kanal, sondern ein Recruiting-Hebel

Eine der unbequemsten Wahrheiten aus dem Gespräch: LinkedIn ist für CEOs heute weniger ein Vertriebskanal als ein Recruiting- und Vertrauensaufbau-Kanal. Charles arbeitet mit DAX-Vorständen, deren Posts längst nicht mehr von ihnen selbst geschrieben werden. Bei der ZCG wird das systematisch aufgesetzt: Es gibt ein Brand Wheel auf Basis der Unternehmenswerte, die KI crawlt jeden Tag tausende Beiträge mit über 100 Likes, der Projektmanager bekommt automatisch Themen-Vorschläge, die zur Personal-Brand-DNA passen.

Eine Schlauköpfigkeit aus dem Gespräch, die jeder sofort umsetzen kann: Wenn du das nächste Mal durch deinen LinkedIn-Feed gehst, suche bewusst drei Posts, die du grandios findest, und drei, die dich zur Weißglut bringen. Füttere damit die KI deiner Wahl, lass sie dir provokante Hooks daraus generieren, und finde so deine 100-Prozent-Wahrheit und deine 0-Prozent-Wahrheit. Die nächsten Posts schreiben sich danach quasi von selbst.

Wie ZACK die Krisenberatung der ZCG verändert

Was bei der ZCG unter der Haube läuft, ist eine der spannendsten KI-Anwendungen in der Branche. Charles und sein Team haben einen Igel namens Zack zum Maskottchen gemacht und dahinter ein KI-System gebaut, das in WhatsApp-Gruppen mit den Klienten läuft. CEOs sind über WhatsApp besser erreichbar als über Mail, also läuft das gesamte Projektmanagement dort. Der Igel verknüpft Awork, Brand-Wheel-Daten, Crawling-Daten zu Top-Posts und stupst die Berater bei den richtigen Momenten an.

Wichtig ist Charles dabei eines: Die KI ersetzt keine Menschen, sondern gibt ihnen den Schnellzugriff auf Daten, den sonst niemand hinkriegen würde. Die emotionale, juristisch saubere und politisch passende Beratung bleibt beim Menschen. Das ist Companion-Modell statt Automatisierung.

Wer das Thema KI als Hebel im eigenen Unternehmen prüfen will, findet in Maximilian Raabes Episode über Künstliche Intelligenz ein gutes Gegenstück zur Sicht von Charles.

Die Schritt-für-Schritt-Logik einer guten Krisenkommunikation

Wenn du Charles fragst, was eine Firma im Shitstorm-Modus tatsächlich tun muss, klingt seine Antwort entwaffnend einfach. Erstens: Schweigen ist selten die beste Antwort, aber das richtige Tempo ist alles. Zweitens: Klarheit über das eigene Narrativ. Wer die Geschichte nicht erzählen kann, lässt andere sie für ihn erzählen. Drittens: Verantwortung. Eine Entschuldigung, die nicht echt ist, riecht das Internet auf zwei Klicks.

Sehr deutlich wird Charles bei einer Sache: Krisen-PR ist nicht Schminken, sondern Aufräumen. Wer eine Krise nutzt, um Lücken in der eigenen Organisation zu schließen, kommt stärker raus als vorher. Wer sie nur überstehen will, hat in zwei Jahren das gleiche Problem nochmal.

Wer sich tiefer mit dem Thema öffentliche Wirkung und Medienarbeit beschäftigen will, sollte sich auch Carsten Borgmeiers Episode über PR und Sichtbarkeit anhören. Beide ergeben zusammen ein vollständiges Bild von dem, wie Wirtschaft heute öffentlich kommuniziert.

Die wichtigsten Learnings aus dieser Episode

Erstens: Junggründen ist eine Form des erzwungenen Lernens. Wer mit 14 anfängt, hat keine Zeit, sich Strategien vom Buchverlag zu holen. Er muss handeln, scheitern, korrigieren. Genau diese Iteration ist der Wettbewerbsvorteil. Wer als 30-Jähriger das Gleiche aufbauen will, muss die Geschwindigkeit der Iteration künstlich erhöhen, sonst verliert er gegen die Jüngeren.

Zweitens: Mut ist nichts wert ohne Konsequenzen. Charles' Botschaft des Abends bringt es auf den Punkt: Sei mutig, mach Fehler, aber trag auch die Konsequenzen dafür. In einer Welt, in der jede Entscheidung schnell sichtbar ist, kommt nur durch, wer auch hinter den Folgen stehen kann.

Drittens: Krisen-PR füngt vor der Krise an. Threat- und Issue-Intelligence sind nicht das Werkzeug für den Tag X, sondern für die zwölf Monate davor. Wer das versteht, baut sein Kommunikations-Setup ganz anders auf.

Viertens: KI ist im Beratungsgeschäft kein Cost-Cutter, sondern ein Companion. Wer KI nur einsetzt, um Stellen zu sparen, optimiert das falsche Ende. Wer sie einsetzt, um seinen besten Leuten Hebel zu geben, gewinnt.

Fünftens: Mentorinnen und Mentoren sind käuflich. Nicht in Geld, sondern in Mut. Charles hat seine wichtigsten Lehrer einfach angeschrieben. Wer seine wichtigsten Fragen offen formuliert, bekommt fast immer eine Antwort.

Fazit

Charles Bahr ist eines dieser Beispiele dafür, wie sehr sich Unternehmertum in einer Generation verschoben hat. Er hat gegründet, bevor andere ihren Schulabschluss in der Tasche hatten. Er hat einen Konzern öffentlich angegriffen, bevor er wusste, was die Konsequenzen kosten. Und er ist heute genau wegen dieser Erfahrungen in der Position, mächtige Entscheider durch ihre eigenen Krisen zu lotsen. Eine Episode, die Mut macht, Risiko in einem nüchternen Licht zu sehen, statt es zu romantisieren. Wer die volle Geschichte hören will, mit allen Details zur Lufthansa-Affaire, zum TikTok-Aus und zur ZCG, sollte sich die Episode auf YouTube oder Spotify nicht entgehen lassen.

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